Sonntag, 6. Dezember 2015

Mit dem Smartphone kommt die Kündigung

Gleich drei neue Smartphon-Modelle präsentierte der Gigaset-Konzern auf der IFA. Nun kommt die Kündigung für fast die halbe Belegschaft.

Kündigung mit Innovation 


Der Gigaset-Konzern aus Düsseldorf präsentierte auf der IFA gleich drei Modelle, mit dem die Konzernführung Anteile am boomenden Smartphonemarkt erobern will. Was haben die Mitarbeiter davon? - die Kündigung.
Sicher, der Markt hat sich stark verändert: 

2011 hieß es noch:

Doch das war einmal. Ein Satz aus dem damaligen Artikel könnte allerdings auch brandneu geschrieben sein:

"Turbulente Zeiten liegen hinter der ehemaligen Siemens-Tochter". Denn:
"Gigaset macht diese Entwicklung mächtig zu schaffen: 2010 machte man noch mehr als eine Milliarde Euro Umsatz, im vergangenen Jahr waren es nur noch 326 Millionen. 2014 wurden weltweit rund 60 Millionen neue Schnurlostelefone verkauft. Knapp ein Drittel davon produzierte Gigaset. Im selben Zeitraum gingen allerdings weltweit mehr als eine Milliarde Smartphones über den Ladentisch." (stern.de, 01.09.2015)
Das soll nun mit den neuen Smartphones anders werden. Um sich gleich ein wirksames "Privatplacement" zu sichern, hat sich die Konzernführung als Platin-Sponsor beim FC Bayern eingekauft.
"Erste Amtshandlung von Gigaset: Als Premium-Partner duldet man zukünftig keine anderen Smartphones beim bekanntesten deutschen Fußballverein."
Wie stolz waren wohl die Mitarbeiter von Gigaset auf ihre Innovationen bei den Smartphones und den Vertrag mit Bayern München? Und was ist der Dank?
Statt stolz Weihnachten zu feiern hat die Hälfte der Belegschaft in Bocholt nun wohl andere Sorgen - pünktlich zum Weihnachtsfest droht die Kündigung. Schon mehrfach in den letzten Jahren von Umstrukturierungen getroffen fliegen nun die nächsten Mitarbeiter auf die Straße.

Offiziell heißt es, die Firma will in den kommenden Jahren massiv Kosten in der Sparte Schnurlostelefone abbauen. So nennt man das in Manager- und Aktionärskreisen, wenn Mitarbeiter "alternativlos" vor die Tür gesetzt werden. Von 1.250 Arbeitsplätzen sollen bis Ende des Jahres 2018 derzeit 550 Stellen gestrichen werden.

Wie heißt es doch so schön auf der Webseite von Gigaset: "Entscheiden Sie sich für die Zukunft". - Ist damit die Kündigung gemeint?

Kleine Beruhigungspille für die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit: 
"'Das Restrukturierungsprogramm bedarf einer Einigung mit den hierfür zuständigen Arbeitnehmervertretungen und steht unter entsprechendem Vorbehalt', so Gigaset.
Man wolle in Kürze mit den Verhandlungen beginnen..."
Wieviele Mitarbeiter sind schon mehrfach in wenigen Jahren von einer Kündigung bedroht? Sind darunter vielleicht auch Mitarbeiter, die sich vor nicht allzulanger Zeit gerade von Siemens in den Gigaset-Bereich gerettet hatten und dann die Auseinandersetzungen mit Arques durchstehen mussten?


Ich bin gespannt, wie die Arbeitnehmervertretung nun die Arbeitnehmer vertritt. Hoffentlich ist sie wenigstens fit für die Verhandlungen. Als betroffener Gigaset-Mitarbeiter würde ich mich allerdings nicht allein darauf verlassen, sondern selbst kundig machen und beispielsweise hier klicken!


Quellen: telecom-handel.de 01.12.15, siehe auch: welt.de 21.02.2010