Mittwoch, 12. Juli 2017

Commerzbank streicht 7.300 Arbeitsplätze

Die Commerzbank plant 7.300 Stellen bis Ende 2020 zu streichen und nennt das "Umbau-Strategie 'Commerzbank 4.0'"

"Commerzbank 4.0" - Und raus bist Du

Quelle: commerzbank.de
Kennen Sie den Slogan: "Commerzbank. Die Bank an Ihrer Seite"? Da wird einem doch richtig warm ums Herz. Vor allem sicher als Mitarbeiter, wenn man dann erlebt, wie die Bank mit Ihrer Umbau-Strategie noch mehr Freude in die Welt bringen will.

Angela Merkel würde das "revolutionäre Konzept" der Commerzbank vielleicht alternativlos nennen, das am 27.06.2017 dem Handelsblatt die folgende Pressemeldung wert war:
"Der aktualisierte Plan für die Stellenstreichungen, der in den Unterlagen enthalten ist, zeigt, dass die Zahl der Mitarbeiter in dem von Michael Mandel geleiteten Geschäftsbereich Retail- und kleine Gewerbekunden nur um 7,7 Prozent auf 9406 Personen schrumpfen soll, während sie im Bereich Geschäftskunden um 37 Prozent auf 2982 sinken soll."
Das ist doch genau das, was sich Arbeitnehmer schon immer gewünscht hatten: Nicht mehr arbeiten zu müssen. Die Commerzbank tut zumindest seit einiger Zeit schon viel, um ihre Mitarbeiter mit solchen und ähnlichen Botschaften zu beglücken.

Den Entlassungskandidaten will der Vorstand als Entschädigung dann eine
"Abfindung in Höhe von mindestens 20.000 Euro anbieten ... Das Angebot der Commerzbank für die Abfindungszahlungen wird zurzeit mit dem Betriebsrat diskutiert und unterliegt dessen Zustimmung."
So eine Abfindung reicht dann sicher bis zur Rente.

Hoffentlich kennt sich der Betriebsrat aus und ist stark genug, den Nachteilsausgleich einzufordern, statt die Mitarbeiter mit Peanuts abspeisen zu lassen. 

Rechtsanwalt Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW hatte nach einer Reuters-Meldung vom 03.05.2017 den Stellenabbau kritisch kommentiert mit den Worten:
 "Die Mitarbeiter müssen für die Probleme den Kopf hinhalten, die das Management nicht oder nur unzureichend in den Griff bekommt."

Wie hatte doch auf der Hauptversammlung Anfang Mai Commerzbank-CEO Martin Zielke unter anderem angekündigt?
"Wir müssen jetzt investieren, um langfristig Erfolg zu haben".
Investitionen in sein "Humankapital" hatte er damit wohl nicht gemeint:
"Der Begriff betriebliches Humankapital umschreibt die nominell große Bedeutung qualifizierter und motivierter Mitarbeiter für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens und soll eine wesentliche Grundlage moderner Unternehmens- und Personalpolitik verdeutlichen: Mitarbeiter sind nicht mehr als nur reine Produktions- und Kostenfaktoren." (Wikipedia, Humankapital)
Bankenmitarbeiter scheinen keine qualifizierten und motivierten Mitarbeiter zu sein. Deshalb kommt es wohl immer wieder zu Pannen wie
  • bei der Commerzbank im Juni 2017,
  • bei der Deutschen Bank im März 2017,
  • bei der Postbank im Dezember 2016,
  • bei der Targobank im November 2016,
  • bei Comdirekt im Juli 2016...
Also bleibt ja den armen Vorständen bloß: Und raus bist Du! - Siehe auch Banken Mitarbeiter sind wichtiger denn je
Oder hätten Sie lieber Leser einen anderen Vorschlag?


Quellen: handelsblatt.com, 27.06.2017; de.reuters.com, 03.05.2017

Nachtrag in fondsprofesionell.de vom 21.08.2017: Wie sich der Personalabbau rechnet  

Montag, 10. Juli 2017

Allianz setzt 300 IT-Experten vor die Tür

Die Allianz sieht sich als Versicherung mit sozialer Verantwortung - und setzt weitere 300 Mitarbeiter vor die Tür.

"Allianz will 300 IT-Experten vor die Tür setzen"

Für die Allianz als
"Versicherung und Langzeitinvestor ist die soziale Verantwortung sowie Umweltbewusstsein fundamental für unser tägliches Geschäft. Doch wie genau engagieren wir uns?"
Zumindest steht es so auf der Webseite der Münchner Versicherung, wo es um "Nachhaltigkeit - Der Zukunft begegnen" geht. Doch bei genauerem Hinsehen, wird zugegeben, dass das für die Stakeholder gilt.
"Der Austausch mit unseren Stakeholdern hilft uns, deren Bedürfnisse zu verstehen und gemeinsam nach Lösungen für Herausforderungen zu suchen. Wir schützen die natürlichen Ressourcen der Erde und tragen zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft bei."
Und Stakeholder sind Eigentümer oder Besitzer, dere Einsatz auf dem Spiel steht und die daher ein Interesse an Wohl und Wehe dieses Einsatzes haben - heißt es zur Erklärung bei Wikipedia.

Was für die Stakeholder und die natürlichen Ressourcen als Strategie propagiert wird - "wir schützen die natürlichen Ressourcen" - gilt das auch für die menschlichen Ressourcen, die Mitarbeiter?
 
Wenn es nach der Selbstdarstellung auf der Webseite Über uns geht, dann ja:

Allianz Unsere Mitarbeiter - Karriere

Fondsprofessionell.de meldet dagegen am 10.07.2017:
"Stellenabbau: Allianz will 300 IT-Experten vor die Tür setzen"
Hier kann man also lernen, wie überzeugt der Allianzvorstand "von dem Potential einer vielfältigen Belegschaft" ist und diese "aktiv bei der Weiterentwicklung" als Arbeitslose unterstützt:

"In der IT-Sparte Allianz Technology sollen 300 der rund 2000 Mitarbeiter in Deutschland gehen...Zuletzt hatte das Dax-Unternehmen angekündigt, in Deutschland in dreieinhalb Jahren 700 Arbeitsplätze im Bereich "Schaden/Betrieb" zu streichen. Sie fallen der Digitalisierung und Automatisierung zum Opfer, weil immer mehr Tätigkeiten, etwa bei der Bearbeitung von Schadensmeldungen, ohne menschliches Zutun erledigt werden. Durch Altersteilzeit-Regelungen fallen weitere 500 Jobs in dem Bereich weg. Die Industrieversicherungssparte AGCS hatte im Frühjahr den Abbau von 500 Stellen angekündigt. Das ist dort jeder zehnte Arbeitsplatz, so Reuters."
Ist es nicht rührend für Mitarbeiter eines Konzerns, so ein fürsorgliches soziales Engagement und solch eine Wertschätzung ihres Potentials zu erfahren? Und damit sie nicht an der Nestwärme ihres langjährigen Arbeitgebers ersticken, haben die Mitarbeiter bis Ende Oktober 2017 Zeit, die Abfindungen anzunehmen.

Mehr Interesse an Wohl und Wehe ihres Einsatzes i.S.v. Wikipedia kann man ja auch von Mitarbeitern nicht verlangen - oder?

Tipp:

Hoffentlich wissen die Mitarbeiter, wieviel ihnen von der Abfindung für ihre Weiterentwicklung bleibt. Ansonsten hilft vielleicht ein Blick auf ...

Übrigens: Eine Pressemeldung auf der eigenen Webseite ist diese "Fürsorgeleistung" der Allianz nicht wert - zumindest ist beim Zugriff am 10.07.2017 20:58 Uhr davon noch nichts zu lesen

Quelle: fondsprofessionell.de, 10.07.2017